Hier möchte ich mal aufschreiben was mir geholfen hat und was mir auch jetzt immer wieder hilft. Ich möchte es Dir weitergeben um Dir zu zeigen, das Du durchaus etwas tun kannst um besser mit dem Verlust deines Zwillings umzugehen. Es ist wichtig das Du etwas tust und nicht wartest bis es von allein besser wird. Ich versuche dir das mal an einem Bsp. zu verdeutlichen. Also stell dir vor, du hast eine wirklich tiefe Wunde . Was machst du ? Bleibst du sitzen und denkst über die Wunde nach oder gehst du zum Arzt und lässt sie nähen, reinigen und verbinden ? Das letztere ist klüger sagst du. Dann würde ich sagen, du mußt das mit deiner seelischen Wunde genauso tun. Du mußt aufstehen und dich darum aktiv kümmern. Jetzt fragst du, wie ?

 

Mir ist wichtig hier noch mal zu betonen, das mir die folgenden Vorschläge geholfen haben. Das heißt noch lange nicht, das es für Dich genauso gut und richtig ist. Es sollen alles nur Anstöße sein, um dich auf deinen Weg zur inneren Heilung zu ermutigen. Höre auf das was dir dein Herz sagt. Könnte ich das auch machen oder vielleicht fällt Dir beim lesen dieser Vorschläge etwas ganz anderes ein, was für dich genau richtig ist.

 

 

Also hier was mir geholfen hat:

  • am Anfang war es mir sehr wichtig viele Informationen zu sammeln, mich zu informieren ob es überhaupt möglich ist, daß ein Zwilling stirbt im Mutterleib und einer lebt,  wie es überhaupt ist mit Zwillingen usw.
  • ich habe meine Eltern ausgefragt, ich habe sie nach der Schwangerschaft, Mutterpass, Geburt, besondere Vorkomnisse (wie Blutungen oder Gefühle der Mutter) ausgefragt
  • dann bin ich auf Spurensuche gegangen, ich wollte einfach Antworten haben, ich wollte verstehen warum meine Eltern nichts wußten von meiner Schwester, obwohl sie schon über dem 6.Monat alt war und ich wollte schauen ob es einen Nachweis gab, daß sie lebt. Ich hab nach dem Frauenarzt gesucht von damals und bin ins Krankenhaus gegangen um vielleicht noch eine Akte von mir zu  finden, die gab es leider nicht, da die Akten nur 30 Jahre aufgehoben werden und ich zu dem Zeitpunkt 32 Jahre war. Das war blöd. Aber ich habe herausgefunden, das Babys unter 1000 g sozusagen nicht existierten und im Klinikmüll entsorgt wurden.

 

  • ich hab mich informiert über Frühchen, die ca. im 6.Monat zur Welt kommen, die haben weit weniger als 1000g, also war mir klar meine Schwester war zu klein, um irgendwo eingetragen worden zu sein . Und es hat dann auch alles ein passendes Bild ergeben. Meine Eltern erfuhren vom Arzt am Anfang der Schwangerschaft, das da Zwillinge sind(Der Arzt hat mit dem Hörrohr zwei verschiedene Herzschläge gehört) Dann nach dem 6.Monat irgendwann hat er nur noch eines gehört und sagt zu meinen Eltern, es wäre eben ein großes Baby. Natürlich glauben das meine Eltern. Ich kam mit Kaiserschnitt unter Vollnarkose zur Welt, weil es Komplikationen gab. Und so erklärt sich auch, warum auch dann meine Eltern nichts davon wußten. Sie wurde einfach entsorgt und ihnen wurde nichts gesagt um sie nicht zu belasten oder warum auch immer. Meine Mutter hat nach der Geburt getrauert. Ich weiß warum ! Das alles zu erfahren, war für mich sehr wichtig, denn ich fand es wichtig Klarheit über alles zu haben, so weit es eben ging.

 

  • Ich hab mir eine Kette gekauft, die ich jeden Tag trage. Die ist mir sehr wichtig, denn so habe ich etwas greifbares, was ich festhalten kann, wenn ich es brauche und immer bei mir habe.

 

 

  • Zu fühlen, wie es war als wir im Mutterleib noch zusammen waren. Wie es war als es uns beiden gut ging und wir viel Spaß miteinander hatten. Wir spielten mit der Nabelschnur, kuschelten miteinander, schubsten uns auch gegenseitig und wir hatten unsere eigene Sprache, auch ohne Worte. Ich stell mir vor wie es war und fühle mich da rein. Ich nehm mir Zeit dafür.

 

  • Meiner Schwester einen Namen zu geben, war mir auch sehr wichtig. Sie sollte nicht namenlos sein, wie ein Niemand. Sie ist mir wichtig genug um ihr einen Namen zu geben. Sie kann kein sichtbares Gesicht mehr bekommen, aber einen Namen. Ich hab mich lange mit Namen und ihren Bedeutungen befasst und habe ihr schließlich den Namen "Michelle" gegeben, weil er gut klingt, weil er genau dann modern war, als wir geboren werden sollten und weil mir die Bedeutung so gut gefällt.

  • Michelle's Grab:

 

Meine Schwester Michelle ist in einem häßlichen Klinikabfalleimer gelandet und es hat mich einfach nur wütend gemacht und so unendlich traurig. Sie hat keine würdevolle Beerdigung bekommen, so wie sie es verdient hätte. Deswegen war es mir sooo wichtig ihr ein "Grab" in unserem Garten zu machen. Ich habe mir ein Schmetterlingsbaum gekauft, weil ich den wegen der Schmetterlinge die dann kommen schon länger mochte und es einfach wundervoll auf das "Grab" meiner Schwester passte. Schmetterlinge haben für mich auch so einen Symbolcharakter. Aber dazu an anderer Stelle mal mehr. Ich hab eine kleine Kiste gebastelt, die ich beklebt und beschrieben habe und in diese Kiste hab ich symbolisch einen aus Knete geformten Embryo auf einer Serviette hineingelegt und gaaaanz viele Blumen rein getan, weil ich wollte, daß es ganz weich und warm für meine Schwester sein sollte. Das ganze Gegenteil vom kalten dreckigen Eimer. Ich hab auch in das ausgebudelte Loch gaaanz viele Blumen reingetan und dort vorsichtig die Kiste raufgestellt. Einen Brief und weitere Blumen hab ich dazu getan. Ich hab ihr ein Lied gesungen und als ich den Sand drauf geschaufelt habe einige Tränen geweint. Ich hab sie nicht losgelassen, wie man das vielleicht denken könnte. Ich konnte es nicht und ich werde es auch nicht machen, denn ich habe gemerkt das es für mich wichtiger ist sie zu integrieren in meinem Leben. Dazu auch mehr an anderer Stelle. Ich habe dieses für mich wichtige Rituall gemacht, um ihr Respekt, Achtung und Würde zu geben. Das war mir sehr wichtig. Und ich wollte das sie auch hier auf der Erde ein Platz bekommt. Übrigends habe ich zum Schluß noch den Schmetterlingsstrauch gepflanzt und ich genieße ihn gerade wieder sehr. Ich bin gerne dort an diesem für mich so besonderen Platz. Dieses Bild hier Links habe ich heute an diesem meinem besonderen Platz dem Schmetterlingsstrauch gemacht. Ich hab da auch noch eine Kerze, kleine Engel, 2 Herzen und ein paar Windmühlen stehen. Das ich dieses Rituall gemacht hab hat mir sehr geholfen und tut es immer noch. Jeder Schmetterling ist ein lieber Gruß von Ihr !!

  • Dieses Bärchen habe ich mir angeschafft, um etwas in der Größe von Michelle zu haben. Einen Ersatz zum knuddeln. Es war kein fertiger Bär. Ich mußte ihn erst mit seinem Innenleben füllen und dazu war auch dieses kleine Herz, was ich mit unseren Namen beschriftet habe. (Mein Name steht auf der anderen Seite vom Herz.) Das Herz ist normaler Weise im Bären. :-) Ich habe diesen Bären jede Nacht zum schlafen bei mir. Stellvertretend für meine Schwester und es tut mir soo gut !! 
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     Das kostbarste Vermächtnis eines  

            Menschen ist die Spur,

     die seine Liebe in unserem Herzen 

               zurückgelassen hat.

                  Albert Schweitzer

 

 

 

 

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             aktualisiert am 21.11.2017